„Europäische Klänge für Flüchtlinge aus aller Welt – Bürgerstiftung unterstützt Projekt „Mayflower“

Flüchtlinge lernen europäische Kultur kennen – diese Idee steht hinter dem Projekt „Mayflower“ von Kulturpreisträger Christof „Stiefel“ Manz. Die Bürgerstiftung unterstützt ihn dabei.

Die Klänge in der Kreissporthalle sind ungewohnt: Satter Jazz, gefühlvolle Balladen und dazwischen ein paar funkige Nummern, die zum Mittanzen einladen – Siggi Stehle und seine Musikschulband „Alex und die Affen“ legen sich voll ins Zeug. Umringt sind sie von einem internationalen Publikum: Junge Männer aus Afghanistan und Syrien, aus Eritrea und Gambia, aus dem Kosovo oder Albanien – den Männern also, die derzeit in der Kreissporthalle leben.

Die Reaktionen des Publikums sind unterschiedlich: Die einen stehen neugierig in der ersten Reihe und wippen mit, andere halten sich eher skeptisch im Hintergrund. Mit Handys werden die ungewohnten Gäste gefilmt, und die die Barrieren sinken im Laufe des Abends. Gegen später drängt es auch einige der Flüchtlinge selber auf die imrpovisierte Bühne unter dem Basketballkorb: Eine Gruppe Afghanen hat traditionelle Musik aus ihrer Heimat auf ihren Handys gespeichert, über den Verstärker der Band erklingt sie jetzt – und dazu wird munter getanzt. Danach gibt’s eine gemeinsamen Tee – für die deutschen Musiker und für ihr Publikum aus aller Welt. So wird aus dem Konzert auch gleich ein Begegnungsabend.

Genau dies war auch die Idee von Christof „Stiefel“ Manz, dem Initiator des Projekts: „Wir können kulturelle Grenzen nur abbauen, wenn wir unsere Kulturen auch gegenseitig kennen lernen“, so der Buchhändler und Kulturpreisträger. Und beim Projekt „Mayflower“ wählte er einen pragmatischen Ansatz: Tuttlinger Musiker – vom Jazzer über traditionelle Blasmusiker bis zu Kirchenmusikern – treten in der Kreissporthalle auf. So kommen Flüchtlinge in Kontakt mit den unterschiedlichsten Facetten europäischer Kultur – und erfahren nebenbei etwas Abwechslung vom doch recht eintönigen Alltag in der Sammelunterkunft. Den Namen des Projekts wählte Manz dabei nicht ohne Hintergedanken: „Mayflower“ hieß schließlich eines der bekanntesten Auswandererschiffe der Geschichte. Nur dass es damals Europäer waren, die anderswo auf der Welt eine neue Perspektive suchten…

Zwar treten die „Mayflower“-Musiker allesamt ohne Gage auf, Kosten für Soundtechnik oder Transporte fallen dennoch an. Hier springt nun auch die Bürgerstiftung ein, die das Projekt finanziell unterstützt. „Wir können die aktuelle Zuwanderung nur erfolgreich bewältigen, wenn wir die unterschiedlichen Kulturen auch verstehen und würdigen“, sagt Stiftungs-Vorstand Ortwin Guhl. „Ein Projekt wie das von Herrn Manz leistet hier einen ebenso wichtigen wie originelle Beitrag.“

So sieht es auch Bandleader Siggi Stehle: „Ich finde es wichtig, dass die Menschen, die nun bei uns leben, auch etwas von unserer Kultur und unseren Gewohnheiten mitbekommen. Deshalb sind wir gerne aufgetreten.“ Dass die Musikschüler nach dem Konzert noch beim Tee mit den Flüchtlingen ins Gespräch kamen, begrüßt er besonders. „So konnte jeder etwas vom anderen erfahren.“

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